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Pioniere der Eisenbahn

Viele tollkühne Erfindungen waren nötig, um aus der ersten Dampfmaschine von 1712 die Dampflokomotiven zu entwickeln, die wir heute kennen. Ein Pionier, der einen großen Teil zur Entwicklung beigetragen hat, war der deutsche Ingenieur Wilhelm Schmidt.
 

FASZINATION TECHNIK

Am 18. Februar 1858 wurde Wilhelm Schmidt in Wegeleben geboren. Bereits als kleiner Junge interessierte er sich sehr für Technik. Stundenlang konnte er sich in das Konstruieren von kleinen Maschinen, die mit Sand angetrieben wurden, vertiefen. Außerdem war er fasziniert von den ersten Dampflokomotiven und ließ sie sich genau erklären. Da verwundert es nicht, dass er sich auch als Erwachsener ausführlich damit beschäftigte und einen entscheidenden Schritt zu ihrer Entwicklung beitrug.

Das ist Wilhelm Schmidt.

Nach seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser studierte Wilhelm Schmidt an der Technischen Hochschule in Dresden und arbeitete anschließend als Ingenieur in Kassel. Dort begann er mit der Entwicklung der Heißdampftechnik, für die er später berühmt wurde. Wie du vielleicht weißt, war Schmidt nicht der Erste, der mit heißem Dampf arbeitete. Bereits Thomas Newcomen und James Watt verwendeten diese Technik zum Antrieb von Maschinen. Der Dampf, mit dem Schmidt arbeitete, unterschied sich aber deutlich von dem seiner Vorgänger.
 

VOM NASSDAMPF ZUM HEISSDAMPF

Schmidts Vorgänger arbeiten mit Dampftemperaturen bis 250°C. Dabei befinden sich im Dampf noch winzig kleine Wassertröpfchen, denen der Nassdampf seinen Namen verdankt. Er ist ein guter Wärmeleiter und verliert deshalb Wärme an die Umgebung.                                   

Wilhelm Schmidt wagte erstmals den Sprung auf eine Dampftemperatur von 350°C. Der entstandene Heißdampf enthält keine Tröpfchen mehr und ist deshalb energiereicher. Zusammen mit einem höheren Druck steigt die Leistungsfähigkeit einer Dampfmaschine bei Heißdampf um die Hälfte. Stell dir vor, die Experten seiner Zeit hatten eine solche Weiterentwicklung der Dampfmaschine für undenkbar gehalten – er war also ein wahrer Pionier!

HEISSDAMPF-SCHMIDT

Schmidts Erfindung hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Dampflokomotiven und Dampfschiffe. Mit vielen weiteren Erfindungen wie dem Kolbenschieber oder dem Schmidt-Überhitzer perfektionierte er die Heißdampfmaschine. Er erwarb etwa 1400 Patente für seine Erfindungen und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Nachdem 1898 die ersten beiden Heißdampflokomotiven in Betrieb genommen wurden, konnte die von Wilhelm Schmidt gegründete „Schmidt’sche Heißdampf GmbH“ 1910 bereits die Bestellung der 5000. Lokomotive dieser Bauart feiern. Schmidt erlangte mit seiner Erfindung also bahnbrechenden Erfolg und verdankt ihr den ungewöhnlichen Namen „Heißdampf-Schmidt“. Unter diesem Namen bleibt er auch nach seinem Tod 1924 bis heute unvergessen – als großartiger Pionier der Eisenbahngeschichte.