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Eine Hausnummer für jeden Decoder

EINE HAUSNUMMER FÜR JEDEN DECODER

Raucht Euch noch der Kopf vom letzten Mal, als wir ein neues Zahlensystem mit nur zwei verschiedenen Ziffern vorgestellt haben? Normalerweise bevorzugen wir als Mensch ja das Dezimalsystem mit 10 verschiedenen Basiszahlen 0 bis 9. Werden nur 2 Zahlen unterschieden, dann sprechen wir von einem Binärsystem.
Wenn man nur zwei verschiedene Ziffern kennt, dann kann man diese auch durch die unterschiedlichen Zustände „ein“ und „aus“ darstellen. Ist der Strom ausgeschaltet, dann entspricht dies der Ziffer 0, während Strom eingeschaltet die Ziffer 1 bedeutet. Dies ist eine Domäne eines Computers, der diese beiden Zustände sehr gut erzeugen, übertragen und auswerten kann und so beliebige Berechnungen basierend auf diesem binären Zahlensystem durchführen kann.

Damit unsere Digitalsteuerung eine Weiche schalten kann, muss dem Decoder mitgeteilt werden, ob er gemeint ist und welchen Befehl er umsetzen soll. Die zentrale Information ist somit zuerst einmal die Adresse, die einige Vorgaben erfüllen muss:

1. Damit nur der gewünschte Decoder reagiert, darf dessen Adresse nur einmal vergeben sein. Besitzen 2 Decoder die gleiche Adresse, dann werden diese die gesendeten Befehle immer gemeinsam umsetzen. Es gibt zwar Spezialfälle, in denen dies sinnvoll ist. Der Normalzustand ist aber, dass diese Adresse nur einmal vergeben wird.

2. Bei den heutigen Digitalsystemen gibt es unterschiedliche Übertragungsformate. Diese werden als MM (Abkürzung für Märklin Motorola-Format) oder DCC (Abkürzung für das englische Wort Digital Command Control – bedeutet in Deutsch Digitale Befehlssteuerung) bezeichnet. In beiden Systemen werden natürlich Adressen verwendet. Daher muss der Decoder auch wissen, auf welches der beiden Systeme er reagieren muss.

3. Der Adressvorrat sollte ausreichend für die Aufgabe sein. Bei der Mobile Station werden bis zu 320 Adressen für Weichen und Signale unterschieden. Hier kann man beruhigt behaupten, dass man als Modellbahner diese Grenze so schnell nicht erreichen wird. Auch wenn man in seinen Träumen schon eine riesige Anlage plant.

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Arten an Weichendecoder. Der Einbaudecoder 74461 oder der Mehrfachdecoder 60832, an den man bis zu 4 Weichen anschließen kann. Beginnen wollen wir zuerst einmal mit der Adressierung des Einbaudecoders 74461. Dieser Decoder wird unten in eine C-Gleisweiche eingebaut. Wenn man von unten auf eine Weiche mit einem dort montierten Decoder 74461 schaut, sieht man eine Schalterleiste mit insgesamt 10 verschiedenen Schaltern. 9 dieser Schalter, die mit den Ziffern 1 bis 9 bezeichnet sind, dienen dem Einstellen der Adresse. Der zehnte Schalter ganz rechts, der mit „0“ bezeichnet ist, dient dem Einstellen des Betriebssystems. Denn dieser Decoder kann wahlweise das MM- oder das DCC-Format verstehen. Ist dieser 10. Schalter unten in der Position „aus“, dann reagiert der Decoder auf das MM-Format. Diese Position „aus“ wird in der Technik auch mit dem englischen Wort „off“ bezeichnet. Ihr werdet diesen Ausdruck sicherlich von vielen technischen Geräten her kennen. Steht dieser 10. Schalter hingegen auf der Position „ein“, was auch mit dem englischen Wort „on“ bezeichnet wird, dann reagiert unser Decoder nur noch auf die Befehle des DCC-Formates.
Wichtig: Bei der Mobile Station Nr. 60657 müssen wir uns für eine der beiden Systeme entscheiden. Entweder reagieren alle Weichendecoder auf das MM- oder auf das DCC-Format. Bei der CS 3 hingegen hat man in der Tat die Möglichkeit für jeden Weichendecoder separat zu unterscheiden, ob er über MM oder DCC gesteuert wird.
Im Betrieb ergeben sich übrigens keine nennenswerten Unterschiede bei der Nutzung des MM- oder des DCC-Formates. Sollte man beispielsweise noch ältere Decoder haben, die nur über eines der beiden Formate gesteuert werden können, dann muss man sich natürlich für dieses Format entscheiden. Ab Werk ist bei der MS 2 das MM-Format eingestellt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass dieses bei Märklin-Anlagen in der Praxis am häufigsten zu finden ist.

Bei der Eingabe der Adresse auf den 9 anderen Schaltern ist eine Besonderheit zu beachten. Beim Dezimalsystem sind wir es gewohnt, dass die Einerstelle ganz rechts steht, die Zehnerstelle links davon und ein Stelle weiter nach links dann die Hunderterstelle zu finden ist. Die Zahl 435 bedeutet so für uns 4 x 100 + 3 x 10 + 5 x 1.
Dieses System gibt es in der Mathematik üblicherweise auch beim Binärsystem. Bei den Codierschaltern ist aber die Einerstelle ganz links, rechts davon die nächste Stelle und so weiter. Die Adresse 1 wird daher nicht wie üblich als 0 0 0 0 0 0 0 0 1 dargestellt sondern in umgekehrter Reihenfolge als 1 0 0 0 0 0 0 0 0. Es ergeben sich somit folgende Stellung der Codierschalter für die ersten 10 Adressen: 






 

Eventuell ist es Euch ja aufgefallen, dass wir die Adresse 0, bei der alle Schalter auf „off“ stehen, nicht aufgeführt haben. Diese Adresse wird weder bei DCC noch bei MM genutzt. Daher macht diese Codierstellung in der Praxis keinen Sinn. 

In der nächsten Ausgabe werden wir uns anschauen, wie wir den Universalbaustein programmieren. Und auch einige weitere Tipps zur Vergabe von Adressen wollen wir Euch natürlich auch nicht vorenthalten. Bis dahin viel Spaß mit Eurer Märklin Modelleisenbahn.