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Weiße Monster

Weiße Monster

Nichts erfreut einen leidenschaftlichen Wintersportler mehr als weiße Hänge und Pisten. Die Wintersportorte in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz hatten zunächst große Freude an den ausgiebigen Schneefällen der letzten Wochen. Doch auch für Schnee gilt die alte Weisheit: zu viel des Guten birgt Gefahren. Und somit gelten in weiten Teilen der Alpen die höchsten Lawinenwarnstufen.

Wenn Schnee ins Rutschen gerät

Vielerorts fielen im vergangenen Januar täglich bis zu 100 cm Neuschnee. Wenn so viel Schnee in kurzer Zeit auf einen Hang fällt, wächst die Belastung der ursprünglichen Schneedecke durch das zusätzliche Gewicht schneller als sich die einzelnen Schichten setzen und miteinander verfestigen können. Hinzu kommen wichtige Faktoren wie die Temperatur, der Wind sowie die Neigung und die Bodenbeschaffung eines Hangs.

 

 

 

Lawine ist nicht gleich Lawine

Die Schneebrettlawine erkennst du am linienförmigen Anriss quer zum Hang. Beim Schneebrett lösen sich größere Flächen der oberen Schneeschichten und rutschen zunächst am Stück „wie ein Brett“ den Hang hinab. Sie treten häufig an Hängen mit Neigungen zwischen 25 und 50 Grad auf. Eine Lockerschneelawine besteht meist aus unverfestigtem Schnee. Kleinere Bereiche rutschen punktförmig ab und sammeln auf ihrem Weg weitere Schneekristalle auf, sodass die Lawine wächst. Sie tritt häufig an Hängen mit einer Neigung von 40 bis 60 Grad auf. An derart steilen Hängen entstehen auch häufig Staublawinen, die Geschwindigkeiten von über 300 km/h erreichen. Der Schnee wird aufgewirbelt, sodass ein Schnee-Luft-Gemisch, ein Aerosol, entsteht.

Kraftvoll und gefährlich

Wenn mehrere Tonnen Schnee ungewollt in Bewegung geraten, führt das oftmals zu Lebensgefahr für Mensch und Tier sowie großen Zerstörungen.
Lawinenopfern droht das Ersticken durch Sauerstoffmangel, Erfrierungen und Verletzungen durch Aufprall an Felsen. Die Schneemassen, die mit zum Teil hohen Geschwindigkeiten ins Tal rasen, machen Bauwerke und Bäume problemlos dem Erdboden gleich.

 

 

Lawinenschutz

Eine Lawine und die verheerenden Folgen braucht wirklich kein Mensch. Städte und Gemeinden in Bergregionen nutzen verschiedene Maßnahmen zum Schutz vor den weißen Riesen. In gefährdeten Gebieten dürfen zunächst einmal keine Wohn- und Geschäftshäuser errichtet werden. Stattdessen sollen Stützverbauungen, Dämme und Lawinengalerien die Wucht und Masse der Lawine brechen. Zu diesem Zweck setzen viele Wintersportorte auch auf Schutzbepflanzung mit Bäumen. Vorbeugend werden zusammenhängende, große Schneemengen gesprengt, bevor sie als Lawine abgehen können.

Immer schön vorsichtig sein!

Viele Wintersportler können sich der Anziehungskraft von abgelegenen, nicht präparierten Tiefschneehängen nur schwer entziehen. Wer das Risiko eingeht, sollte zumindest ein Lawinenverschüttetensuchgerät, einen Lawinenairbag, einen Lawinenball und ein Funkgerät bei sich tragen. Die Wahrscheinlichkeit von einer Lawine erfasst zu werden, ist aber gering – sofern du als Wintersportler einfache Regeln befolgst. Grundsätzlich solltest du nur die Skipisten befahren, die von der örtlichen Bergwacht freigegeben sind. Und dann darf es auch gerne ein wenig mehr Schnee sein!