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Korsika

Die französische Mittelmeerinsel Korsika bietet Touristen alles, was das Urlauberherz begehrt. Sonne, Strände, Berge – und: zwei Eisenbahnstrecken, die es in sich haben.
 

GEBIRGE IM MEER

Korsika ist mit einer Fläche von 8 680 Quadratkilometer nur geringfügig kleiner als die Inselstaaten Zypern oder Jamaika. Die Küstenlinie misst rund 1 000 Kilometer, davon ca. 300 Kilometer feiner Sandstrand. Das Inselinnere erinnert allerdings eher an Österreich oder die Schweiz. 86 Prozent Korsikas sind Bergland mit einem Hochgebirge im Westen und einem Mittelgebirge im Osten. Die höchste Erhebung ist der Monte Cinto mit 2 706 Metern. Im Winter kann man hier sogar Skifahren. Die extrem abwechslungsreiche Landschaft bescherte Korsika den Namen „Insel der Schönheit“ und macht sie zum Paradies für Eisenbahnfans.
 

130 JAHRE EISENBAHNGESCHICHTE

Die heutige korsische Eisenbahngesellschaft „Chemins de fer de la Corse“ (kurz: CFC) wurde 1983 als Tochtergesellschaft der SNCF gegründet. Das Streckennetz ist aber natürlich viel älter. Die heutige Hauptstrecke zwischen Bastia im Nordosten und Ajaccio an der Westküste wurde von 1888 bis 1894 erbaut. Die zweite Strecke führt über den Bahnhof Ponte Leccia zur Hafenstadt Calvi an der Nordküste. Sie wurde 1890 eröffnet. Vor der kompletten Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gab es noch eine dritte Strecke entlang der Ostküste. Sie wurde 1935 fertiggestellt und führte von Bastia über Porto Vecchio bis nach Bonifacio an der Südspitze Korsikas.

Triebwagen (BR X-97050) und Güterzug mit Diesellok BB 405 in Vivario

EIN ECHTES ERLEBNIS

Zugfahrten durch Hoch- und Mittelgebirge sind immer abwechslungsreich. Das eingleisige Schmalspurnetz mit einer Spurweite von 1000 Millimetern ist rund 232 Kilometer lang. Auf das gesamte Netz kommen 36 Tunnel, 14 Galerien, 38 Brücken und Viadukte. Die maximale Steigung beträgt drei Prozent, der längste Tunnel der Insel auf 900 Metern Höhe erstreckt sich über beachtliche vier Kilometer. Das längste und gleichzeitig bekannteste Viadukt, die Ponte Vecchio, wurde 1888 von Gustave Eiffel konzipiert. Es ist 140 Meter lang und 94 Meter hoch. Entsprechend der geografischen Vorgaben fahren die Züge auf Korsika eher gemächlich durch die Landschaft.
 

HOCHSCHWINGUNGSZUG

Die Korsen nennen ihre Züge liebevoll „TGV“. Wobei die Abkürzung nicht etwa für „Train à Grande Vitesse“, sondern vielmehr für für „Train à Grande Vibration“ - auf Deutsch: „Hochschwingungszug“ - steht. Kein wunder: bei so vielen Kehren im Gebirge gerät der langsame Zug gerne mal ins wackeln. Die eingesetzten Züge variieren von alt bis neu. Die gelbroten Renault Triebwagen, die den Beinamen „Feuriger Elias“ tragen, stammen aus der Nachkriegszeit. Sie sind heute nur noch als Reserve auf der Nebenstrecke unterwegs. 1982 wurden sie durch modernere, blau-weiße Züge ersetzt. Im Zuge der Sanierung der Bahn zwischen 2003 und 2013 wurden 15 klimatisierte Doppeltriebwagen der Baureihe AMG-800 von CFD angeschafft. Das macht das Reisen nicht schneller, aber dafür wesentlich komfortabler.