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Kangra Valley Bahn

AUF DER SCHMALSPUR DURCH NORDINDIEN

Die Kangra Valley Bahn ist weder schnell noch komfortabel. Und dennoch schätzen Einheimische und Eisenbahnfans aus aller Welt die historische Verbindung zwischen der Distrikthauptstadt Pathankot und der Stadt Joginder Nagar am Fuße des Himalaya-Gebirges.
 

ZUG IN DIE ZUKUNFT

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das heutige Indien als Kolonie zum britischen Weltreich. Der Fortschritt sollte auch Norden Indiens voran getrieben werden. Im Zuge der Modernisierung plante die Regierung den Bau von fünf Wasserkraftwerken zur Stromgewinnung. Um Baumaterialien und Versorgungsgüter zu den Baustellen im Gebirge transportieren zu können, begannen die britischen Ingenieure 1925 mit der Planung der Bahnstrecke. Die Bauarbeiten der Kangra Valley Bahn begannen 1926, 1928 wurde die Linie für den Güterverkehr freigegeben. 1929 startete auch der Personenverkehr.

 

FÜNF BRÜCKEN PRO KILOMETER

Die Strecke zwischen den Städten Pathankot und Joginder Nagar ist gerade mal 164 Kilometer lang. Trotz der geringen Entfernung überquert der Zug rund 900 Brücken und passiert zwei Tunnel. Dabei überwindet die Kangra Valley Bahn einen Höhenunterschied von ca. 800 Metern. Aufgrund der Streckenführung durch das Bergland entschieden sich die Ingenieure für eine eingleisige Streckenführung mit einer Neigung von maximal vier Prozent. Die  Schmalspur mit einer Spurweite von 762 Millimetern hat dem Zug den Spitznamen „Toy Train“ („Spielzeugeisenbahn“) eingebracht.
 

LINIENVERKEHR MIT UNTERBRECHUNGEN

In der fast 90-jährigen Geschichte der Kangra Valley Bahn musste die Linie immer wieder eingestellt werden. 1942 wurden Schienen der Strecke abgebaut und der Stahl für die Produktion von Kriegsgerät für die britische Armee im Zweiten Weltkrieg verwendet. Schwere Unwetter zu Beginn des Jahrzehnts führten zu schweren Überschwemmungen mit Flutwellen entlang der Strecke. Brücken und Pfeiler stürzten ein und mussten langwierig wieder aufgebaut werden. Seit 2012 sind zehn Diesellokomotiven der Class ZDM-3 und vier Lokomotiven der weitgehend baugleichen Class ZDM-4 im Einsatz, die sieben Verbindungen pro Tag bewältigen.

TOURISTENATTRAKTION UND PENDLERZUG

Für eingefleischte Eisenbahnfans ist die Fahrt mit der Kangra Valley Bahn ein ganz besonderes Erlebnis. Bei hoher Geschwindigkeit wankt der Zug wegen der schmalen Spurweite nach links und rechts. Die Abteile sind weder klimatisiert noch sonderlich bequem, dafür bieten die großen Fenster einen fantastischen Ausblick auf die wunderschöne Natur des Kangra-Tals. Ein Ausblick, der die meisten Einheimischen wenig interessiert. Sie nutzen den Zug für die Fahrt zur Arbeitsstelle oder zum nächstgelegenen Markt, um dort Tee und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse zu handeln. Und auch für Touristen lohnt sich der ein oder andere Zwischenstopp. Entlang der Kangra Valley Bahn finden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten wie jahrhundertealte Tempel und Pilgerstätten, Burgruinen und urige Bergdörfer sowie sagenhafte Teeplantagen.