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Chiemsee-Bahn

KLEIN ABER FEIN: DIE CHIEMSEE-BAHN

In diesem Sommer werden viele Familien den Urlaub zuhause im eigenen Land verbringen. In Deutschland gehört der Chiemsee und das Chiemgau rund um den drittgrößten See der Bundesrepublik zu den beliebtesten innerdeutschen Urlaubszielen. Und das schon seit über 170 Jahren. Um den Touristen die schönsten Tage des Jahres noch bequemer zu gestalten, wurde 1887 die Chiemsee-Bahn eingeweiht. Sie fährt noch heute zwischen Mai und September unter Dampf.

AUF ZUM CHIEMSEE

Das Chiemgau ist eine wunderschöne Naturlandschaft nördlich der bayerischen Alpen. Lange Zeit lebten die Menschen hier von der Landwirtschaft. Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten die Deutschen den Chiemsee und vor allem den Kneipp- und Luftkurort Prien als sehenswertes Reiseziel. 1848 gründeten Ludwig Feßler und Alois Sedelmeier die Chiemsee-Schifffahrt für Bootsfahrten zwischen Prien, einigen anderen Ufergemeinden und den drei Inseln.

MIT KÖNIG UND EISENBAHN ZUM DURCHBRUCH

Der Tourismus am Chiemsee wurde durch zwei Bauwerke besonders gefördert. Im Jahr 1860 wurde die Bahnlinie zwischen dem nahegelegenen Rosenheim und der österreichischen Mozart-Stadt Salzburg aufgenommen. Die Anreise zum See wurde dadurch sehr erleichtert. Der als Märchenkönig bekannte bayerische König Ludwig II. ließ ab 1878 auf der größten Insel des Chiemsees das Schloss Herrenchiemsee errichten. Nach seinem Tod wurde das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, was für einen zusätzlichen Besucheransturm führte.

 

 

 

ALLES FÜR DEN GAST

Die Neugierde auf das pompöse Schloss war enorm. Der Nachbau des französischen Schlosses Versailles war – für die damalige Zeit - mit spektakulären technischen Neuheiten ausgestattet, die die Besucher in ihren Bann zog. Die Schiffe von Ludwig Feßler brachten die Touristen vom Hafen in Prien zur Herreninsel. Den Weg vom Bahnhof Prien zum Hafen im Ortsteil Prien-Stock mussten die Besucher zunächst zu Fuß und später mit der Kutsche zurücklegen. Das brachte Ludwig Feßler auf die Idee, eine knapp zwei Kilometer lange Eisenbahnstrecke zwischen Bahnhof und Hafen zu errichten.

GESAGT - GETAN!

Der umtriebige Ludwig Feßler fand im Münchner Kommerzienrat Georg Krauß einen starken Geschäftspartner. Gemeinsam beantragten sie 1886 den Bau einer schmalspurigen Lokalbahn vom Bahnhof Prien zum Dampfersteg. Die Planung und die Ausführung erfolgten mit einem für die damalige Zeit bemerkenswerten Tempo. Die Bauarbeiten begannen am 2. Mai 1887, schon am 21. Juni waren die Schwellen verlegt und man begann mit dem Aufnageln der Schienen. Die feierliche Eröffnung der Bahn fand nach weniger als 70 Tagen Bauzeit am 9. Juli 1887 statt. Bereits am nächsten Tag, einem Sonntag, nahm sie den offiziellen Betrieb auf.

VERKEHRSCHAOS

Alle Nebengleise eingerechnet verfügte die Chiemsee-Bahn zunächst über eine Trasse von circa 2.200 Metern Länge mit sieben manuellen Weichen. Der Bahnhof mit Kartenverkauf befand sich bis zum Jahr 1908 direkt auf dem Bahnhofsvorplatz an der Westseite des eigentlichen Bahnhofs. Mit zunehmendem Verkehr und gefährlichen Querungen mit der Staatsbahn wurde die ungünstige Streckenführung im Winter 1908 aus Sicherheitsgründen geändert und der Bahnhof der Lokalbahn an die Ostseite des Bahnhofs verlegt. Seither quert die Bahn lediglich noch eine Hauptstraße sowie mehrere kleinere Seitenstraßen.

 

MIT LAURA DURCH PRIEN

Die Chiemsee-Bahn gehört zu den kürzesten Bahnstrecken Deutschlands. Für die knapp zwei Kilometer zwischen Bahnhof und Hafen benötigt sie bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 14 km/h rund acht Minuten. Das besondere Erlebnis macht somit weder die Geschwindigkeit noch die Fahrtzeit aus. Echte Eisenbahnfans lieben die Chiemsee-Bahn wegen ihrer originalen Dampflok LAURA! Seit 1887 zieht die L VII Kastenlokomotive der Lokomotivenfabrik Krauss & Comp. in München den Zug zwischen den Haltepunkten. LAURA ist damit eine der ältesten betriebsfähigen Dampf-Lokomotiven der Welt. Die Lokomotive mit der Fabriknummer 1813 leistet 60 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h.

LISA – LAURAS SCHWESTER

Neben der Dampflokomotive verfügt die Chiemsee-Bahn über eine Diesellokomotive. Die Diesellok Lisa verrichtete ihren Dienst ursprünglich von 1962 bis 1981 in einem Eisenhüttenbetrieb im Saarland, ehe sie 1982 von der Chiemsee-Bahn gekauft wurde. In Prien wurde Lisa optisch an die vorhandene Dampflokomotive angepasst. Die alte Blechverkleidung wurde demontiert, der Motorblock mit einer kesselähnlichen Ummantelung versehen und eine Schornsteinattrappe angebracht. Beim Umbau im Frühjahr 2016 wurden diese Verkleidungen wieder rückgebaut.

 

 

BAHNFAHREN WIE 1887

Der Zug transportiert seine Fahrgäste in den neun Originalwagen, die 1887 und 1888 von MAN gebaut und geliefert wurden. Sieben Wagons der 2. Klasse bieten 32 Passagieren Platz. Der achte Wagen verfügt über einen Gepäckraum, acht Plätze in der 1. Klasse und 16 Plätze in der 2. Klasse. Das absolute Highlight ist der neunte Wagon: der Salonwagen Nr. 1!

REISEN WIE EIN KÖNIG

Zur Erstausstattung der Chiemsee-Bahn gehörte ein Salonwagen der 1. Klasse. Der Wagen war bis kurz nach dem 2. Weltkrieg unverändert im Einsatz und wurde 1949 stillgelegt. Der Salonwagen mit seiner luxuriösen Ausstattung an Sesseln und Samtsofas wurde 1975 ohne Bezahlung an ein privates Museum in Marxzell bei Karlsruhe abgeben. Dort wurde er jedoch nie öffentlich ausgestellt. 1993 wurde das Fahrzeug zum Preis von 12.000 D-Mark von der Chiemsee-Bahn zurückgekauft. In der eigenen Werkstatt wurde der luxuriöse Wagen größtenteils restauriert und 1995 wieder in Betrieb genommen.