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Anlagenbau Wärterhäuschen

ÜBERWACHTER ZUGBETRIEB

Heute stehen an der Blockstelle nur Signale. Sie werden vom Stellwerk aus ferngesteuert. Doch es ist gar nicht so lange her, dass am Schienenstrang noch Menschen arbeiteten. Für die Bahnwärter entstanden kleine Häuschen am Streckenrand, von denen einige wenige bis heute genutzt werden.

Der bekannteste Bahnwärter hieß Thiel. Er lebte aber nicht in Wirklichkeit. Gerhart Hauptmann gab der Hauptfigur einer Novelle den Namen. Die Novelle schildert eine sehr schreckliche Geschichte. Sie spielt in Erkner an der Strecke Berlin – Frankfurt. Womöglich ist eine ähnliche Geschichte in Wahrheit geschehen, allerdings nicht bei den preußischen Staatsbahnen.

Für die Staatsbahnen arbeiteten damals tausende Bahnwärter, ebenso für die Staatsbahnen der anderen Länder. Die Privatbahnen brauchten weniger Bahnwärter, weil das Streckennetz kleiner war. Für den Zugbetrieb hatten die Bahnwärter eine äußerst wichtige Aufgabe: Sie passten auf, dass in jeden Blockabschnitt immer nur ein Zug einfuhr.

Wie du schon weißt, teilt die Bahn eine Strecke in verschiedene Blockabschnitte auf. In jedem Blockabschnitt darf immer nur ein Zug unterwegs sein. Der nächste muss am Signal vor dem Blockabschnitt halten, bis die Strecke frei ist. Heute überwacht die Technik die einzelnen Blockabschnitte. Achszähler ermitteln, wie viele Achsen in einen Blockabschnitt ein- und wieder ausgefahren sind. Nur wenn der Zug den Blockabschnitt vollständig verlassen hat, gibt die Technik die Strecke frei: Das Signal schaltet auf grün.

Diese Aufgabe erledigten früher die Bahnwärter. Über den Telegrafen, später das Telefon – damals sagte man "Fernsprecher" – erhielt der Bahnwärter die Meldung, dass ein Zug kommt. Wenn der Block frei war, gab der Bahnwärter die Strecke frei. Wenn dann der Zug vorbeirauschte, konnte der Bahnwärter natürlich nicht die Achsen zählen. Er musste aber darauf achten, ob am letzten Wagen das Zugschlusssignal zu sehen war. Nur dann durfte er seinem Kollegen, dem Bahnwärter vom vorherigen Streckenblock, mitteilen, dass der Zug durch und der Block wieder frei war. Danach hieß es warten, bis der Bahnwärter vom nächsten Streckenblock meldete, dass alle Wagen den Block verlassen hatten. War dies geschehen, konnte der Bahnwärter den nächsten Zug in Empfang nehmen. Auf wenig befahrenen Strecken zählte ferner die Überprüfung des Gleises zu den Aufgaben eines Bahnwärters. Dazu musste er die Strecke abgehen und schauen, ob alles in Ordnung war.

MODELLBAHN IM WÄRTERHÄUSCHEN

Die Wärterhäuschen säumten die Strecke. Dass die meisten inzwischen abgerissen wurden, leuchtet ein. Die Bahn brauchte sie einfach nicht mehr. Einige Häuser blieben erhalten, weil sie später einem anderen Zweck dienten, zum Beispiel als Lager für Material. Andere verkaufte die Bahn. Als Wohnhaus eigneten sie sich zwar nicht. Doch konnten beispielsweise Landwirte und Handwerker dort einiges unterbringen. In den fünfziger und sechziger Jahren soll auch mancher Modellbahnclub in ein ehemaliges Wärterhäuschen gezogen sein.

Doch wer nutzt heute das Wärterhäuschen in Blaufelden? Das wissen wir nicht. Sicher ist, dass es für eines der Dioramen des Modellbahn Teams Blaufelden entstand. Die Bahn baute es in einen kleinen Hang. Da sie etwas Lagerraum benötigte, stellte sie das Wärterhäuschen auf einen Sockel, eine Art Keller. Somit waren zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Der Sockel entsteht aus einem Styroporklotz. Diesen schneidest du vorsichtig mit dem Bastelmesser zurecht. Dann überziehst du ihn mit einer dünnen Schicht Gips. Du könntest natürlich auch den ganzen Sockel aus Gips herstellen. Dann wäre er aber arg schwer. Sei vorsichtig im Umgang mit dem Bastelmesser! Es ist sehr scharf. Besondere Vorsicht ist beim Ausschneiden der Treppenstufen nötig. Lass dir von einem Erwachsenen helfen.

ABGEPLATZTER PUTZ

Das Haus selbst entsteht aus Karton. Gut geeignet ist Karton aus einem leeren Zeichenblock. Wiederum kommt das Bastelmesser zum Einsatz. Auf das eigentliche Haus klebten die Blaufelder Modellbahner eine Skizze, die bei den weiteren Arbeiten half. Zum Beispiel konnten sie die Öffnungen von Tür und Fenster passgenau ausschneiden. Mit Weißleim setzten sie das Haus mitsamt Anbau zusammen. Dieser entstand beim Vorbild aus Holz. Auf dem Karton kleben daher Streifen aus Holzfurnier.

Die Einsätze für Fenster und Tür stammen aus der Bastelkiste. Dasselbe gilt für die Stürze über den Fenstern und das Dach. Natürlich kannst du auch Mauerwerksplatten für die Seitenwände und Dachplatten verwenden. In Blaufelden erhielt das Häuschen einen Wandputz aus Spachtelmasse. Diese ist dünn aufgetragen. Der Anstrich erfolgte mit Abtönfarbe.

Kleine Arbeiten verfeinern das Häuschen. Dass Treppen und Podeste Geländer erhalten müssen, ist logisch. In den Sockelkeller führt eine Tür. Diese entstand aus Holzfurnier. An einer Hauswand ist der Putz abgeplatzt. Das Mauerwerk scheint durch, und wir wissen daher, dass das Wärterhäuschen solide aus Backstein hochgezogen wurde. Schließlich erfolgte die Alterung mit schwarzer Farbe. Fertig. Der Bahnwärter könnte einziehen – wäre seine Aufgabe nicht längst von der Technik übernommen worden.

Das Haus selbst besteht aus Karton.

DU BRAUCHST ...

... im Prinzip nur Materialien aus der Bastelkiste: Styropor, Pappe, Gips, Spachtelmasse, Farbe, Weißleim und die für den Modellbahn-Bau nötigen Werkzeuge. Mauerwerksplatten und Dachplatten bekommst du bei deinem Märklin-Fachhändler, wenn du welche brauchst. Farbe, Gips und anderes erhältst du im Heimwerkermarkt.

 

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Modellbau: Modellbahn Team Blaufelden unter Leitung von Marliese und Siegfried Gehringer - Text: Torsten Berndt - Fotos: Michael Robert Gauß