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Anlagenbau Unterführung

Wie gelangen die Bahnreisenden sicher von Bahnsteig zu Bahnsteig oder vom Bahnsteig zur Bus-Haltestelle? Natürlich in einer Unterführung.

In den frühen Tagen der Eisenbahn war alles einfach. Zwar stiegen sehr viel Menschen mehr in die Züge als zuvor in die Kutschen oder auf das Pferd. Die meisten gingen aber weiterhin zu Fuß. Nur wenige konnten sich nämlich Bahnreisen leisten. Zwar kosteten sie weniger als die Fahrt mit der Kutsche oder der Unterhalt eines Pferdes. Die meisten Menschen verdienten aber so schlecht, dass eine Bahnfahrkarte für sie unerschwinglich war.

Mit der Zeit änderte sich dies. Die Löhne stiegen, die Fahrscheine wurden billiger. Auf den Strecken verkehrten immer mehr Züge. Daher musste die Bahn bald ein Problem lösen, das sich anfangs nicht stellte: Wie gelangen die Reisenden sicher zum Zug?

Eine Lösung boten die Bahnsteigsperren. Diese bestanden ohnehin. Einstmals wurden die Fahrkarten nämlich vor dem Einsteigen und nach dem Aussteigen kontrolliert. Heute wäre das unvorstellbar. Damals ließ die Bahn die Reisenden nur dann durch die Sperren, wenn beim Überqueren der Gleise keine Gefahr drohte. Auf kleinen Bahnhöfen konnten man dies bis vor wenigen Jahren beobachten, zum Beispiel in Tegernsee.

Für große Bahnhöfe musste sich die Bahn etwas anderes ausdenken. Die Ingenieure fanden zwei Lösungen: Brücken und Tunnel. Beide waren natürlich nicht einfach zu bauen. Der Verkehr sollte schließlich weiterhin fließen. Doch gelang es, die Querungen "bei rollendem Rad" zu schaffen, wie die Eisenbahner sagten. Nach und nach stattete die Bahn sämtliche wichtigen Bahnhöfe mit Brücken oder Tunneln aus. Tunnel entstanden aber weitaus häufiger als Brücken. Die Reisenden können dann den Bahnsteig trockenen Fußes wechseln – nur recht wenige Brücken sind überdacht. Die Bahn spricht meistens von einer Unterführung, wenn sie den Tunnel meint.

TREPPE NIRGENDWOHIN

Daher lag es nahe, dass die Mitglieder des Modellbahn-Teams Blaufelden sich für einen Tunnel entschieden, als sie einen Bahnhof planten. Dieser hat keinen Hausbahnsteig. So nennt man den Bahnsteig, der direkt an das Empfangsgebäude anschließt. In Mittellage errichtete Bahnsteige bezeichnet man als Mittel- oder Inselbahnsteige. Die Märklin-Profis errichteten einen Mittelbahnsteig, wie du aus dem vorherigen Heft des Magazins weißt. Dort stellten wir den Bau des Bahnhofs mit Hosenträger vor.

Beim Bau der Unterführung musst du vor allem eines beachten. Niemand darf sehen, dass die Treppe abwärts eigentlich nirgendwohin führt. Es würde ja auch wirklich reichlich komisch wirken, wenn ein Freund von dir sich die Treppe anschaut und am Ende der Treppe den Teppich deines Zimmers erblickt …

Am unteren Ende der Treppe bastelst du also aus Sperrholz oder Pappe einen kleinen Raum, der den Tunnel nachahmt. Geht der Tunnel nach beiden Seiten von der Treppe ab, reicht der Raum nach links und rechts, soweit dein Auge sehen kann. Einfacher ist natürlich ein Tunnel, der nur in eine Richtung führt. Dann müssen die Preiserlein aber einen großen Umweg gehen, wenn sie die gegenüberliegende Seite der Stadt erreichen möchten.

LICHT IM TUNNEL

Viele Fußgängertunnel sind beim Vorbild sehr trist gehalten. Boden, Wände, Decken – ständig schaut nackter Beton hervor. In den vergangenen 20, 30 Jahren modernisierte die Bahn aber zahlreiche Unterführungen. An den Wänden kleben nunmehr farbenfrohe Kacheln, der Boden erhielt Asphalt oder sogar Fliesen. Vor allem aber sind die sanierten Tunnel sehr viel heller als die anderen. Wenn du auf deiner Anlage einen modernen Tunnel nachbaust, dann solltest du ihn daher beleuchten. Schau dich einmal auf verschiedenen Bahnhöfen um, wie dort die Unterführungen ausschauen.

Die nötigen Treppen und Zugänge bekommst du als Zubehör im Fachhandel. In die Grundplatte und in die Holzplatte für den Bahnsteig sägst du die Öffnungen für die Treppe. Vergiss nicht, links und rechts den Handlauf zu montieren. Ein solcher ist seit Jahrzehnten vorgeschrieben.

Die Mitglieder des Modellbahn-Teams Blaufelden stellten vor ihrem Bahnhof eine Bus-Haltestelle auf. Zu ihr führt ein Ausgang aus dem Bahnhofstunnel. Mit wenigen Schritten können die Preiserlein also zwischen Bus und Zug umsteigen. Einfacher geht es nicht.

DU BRAUCHST ...

… aus dem Angebot der Zubehörhersteller die Treppen und die Zugänge. Alles andere kannst du selbst basteln oder hast es längst auf deiner Anlage – wie beispielsweise den Bahnsteig. Schau dir bei deinem Märklin-Fachhändler einmal an, was den Produzenten zum Thema Unterführung so alles einfällt. Denk natürlich auch an die Preiserlein; sie sollen die Unterführung schließlich nutzen. Sperrholz, Pappe und andere Materialien stecken längst in deiner Bastelkiste.

 

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Modellbau: Christian Grundhoff vom Modellbahnteam Blaufelden unter Leitung von Marliese und Siegfried Gehringer - Text: Torsten Berndt - Fotos: Michael Robert Gauß