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Anlagenbau Tropfsteinhöhle

Eine Tropfsteinhöhle ist ein Blickfang deiner Märklin-Anlage. Züge fahren in ihr zwar keine. Doch wenn du sie in der Nähe des Bahnhofs platzierst, werden stets reichlich Preiserlein zur Besichtigung anreisen.

Wie eine Tropfsteinhöhle in der Natur entsteht, kannst du ganz einfach nachvollziehen. Schau dir einfach im Badezimmer die Wände an, wenn sie nach dem Duschen nicht abgewischt wurden. Sowie eine Wand getrocknet ist, siehst du sachte weiße Spuren. Diese stammen vom Kalk, den das Wasser enthält. Aus Kalk entstehen auch die charakteristischen Nasen einer Tropfsteinhöhle.

Dort spricht man natürlich nicht vom Trocknen. Das Wasser verdunstet, sagen die Physiker. Es geht vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über, wechselt seinen Aggregatzustand. Übrig bleibt vor allem der Kalk. Daneben enthält das Wasser noch weitere chemische Verbindungen. Kalk ist eine aus Calcium, Kohlenstoff und Sauerstoff. Wichtig für die Bildung einer Tropfsteinhöhle ist vor allem stark kalkhaltiges Wasser.

Das Wasser verdunstet, der Kalk bleibt zurück. Da das Wasser nach unten läuft, wachsen die Nasen der Tropfsteinhöhle nach unten. Zugleich verdunstet Wasser an den Seiten der Nasen, die daher auch breiter werden. Doch gibt es auch Tropfsteine, die von unten nach oben wachsen. Tropft Wasser auf den Bogen und verdunstet dort, bleibt dort natürlich auch der Kalk zurück. Auf dem Boden verteilt sich das Wasser auf einer mehr oder minder großen Fläche. Von oben herunterlaufendes Wasser sucht dagegen immer zuerst den Weg nach unten. Daher sind die hängenden Nasen stets schlanker als die stehenden.

Die Höhlenforscher – die Speläologen – kennen dafür zwei verschiedene Namen. Tropfsteine, die von oben nach unten wachsen, heißen Stalaktiten, während Tropfsteine, die von unten nach oben wachsen, Stalagmiten genannt werden. Vom Stalagnat spricht man, wenn ein Stalaktit und ein Stalagmit aufeinander treffen und sich vereinigen. Die Fachworte kommen aus dem Altgriechischen und sind vom Wort für den Tropfen abgeleitet. Natürlich vergeht reichlich Zeit, bis eine Tropfsteinhöhle mit einer Vielzahl ansehnlicher Tropfsteine entstanden ist. Das Badezimmer daheim wirst du mit Sicherheit nicht in eine Tropfsteinhöhle verwandeln können – von dem bisschen Ärger mit deinen Eltern einmal ganz abgesehen. Märklin-Profis kennen aber eine gute Alternative. Sie platzieren die Tropfsteinhöhle einfach auf der Modellbahnanlage.

 

TROPFSTEIN AUS GIPS

Gewöhnlich sind Tropfsteinhöhlen von außen nicht erkennbar. Lediglich Wegweiser an den Straßen führen die Besucher zum Ziel. Auf der Modellbahn wäre es wohl etwas überflüssig, etwas nicht sichtbares bauen zu wollen. Also entsteht die Tropfsteinhöhle am vorderen Rand oder in einem der seitlichen Bereiche. Nach einer Seite hin ist sie offen, sodass ein jeder sie besichtigen kann. Sie nachzubauen, ist im Prinzip kinderleicht. Die äußere Form entsteht einfach mit zusammengeklebten Sperrholzbrettchen. Im Prinzip gehst du dabei ebenso vor wie beim Bau der Trasse für deine Märklin-Züge. Nur darfst du durchaus größere Steigungen einplanen. Eine öffentlich zugängliche Höhle sollte ausreichend hoch sein. Nicht, dass sich ein Preiserlein den Kopf stößt. Zu niedrige Tropfsteinhöhlen werden hierzulande nur ausnahmsweise für Besucher geöffnet. .

Große Flächen der Wände und der Decke sowie große Tropfsteine schneidest du zunächst einmal aus Styropor. Für die Feingestaltung verwendest du ein ähnliches Material wie in der Natur. Gips – chemisch Calciumsulfat – ist mit Kalk – Calciumcarbonat – weitläufig verwandt. Für die Tropfsteine haben sich die Märklin-Profis der Modellbahn-Arbeitsgemeinschaft des Thomas-Mann-Gymnasiums in Stutensee etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sie verwendeten Schnüre, beispielsweise von Schnürsenkeln. Diese tränkten sie in Gips und zogen sie gerade. Je mehr Gips sie auftrugen, desto breiter wurden die Nasen. Schließlich erhielt die Tropfsteinhöhle noch einen Anstrich in verschiedenen Brauntönen. In etwas helleren Farben zeigen sich die Tropfsteine, die ja im Original ein wenig feucht sind.

 

EIN LICHT GEHT AUF

In einer öffentlich zugänglichen Tropfsteinhöhle darf sich natürlich niemand verletzen. Professionelle Höhlenforscher sichern sich selbst, beispielsweise mit Seilen. Für die Besucher werden zum Beispiel Schutzgitter aufgestellt. Außerdem sollte den Besuchern ein Licht aufgehen, sprich: Sie müssen ihre Lampen nicht selbst mitbringen, wie es die Höhlenforscher tun. Mit versteckten Leuchtdioden oder Glühlämpchen kannst du die Tropfsteinhöhle in stimmungsvolles Licht tauchen. Wenn du schon des Öfteren mit dem Lötkolben gearbeitet hast, geht alles zügig vonstatten. Ansonsten lass dir von einem Erwachsenen helfen. Fertig ist die Tropfsteinhöhle, und du brauchtest nicht das Badezimmer unter Wasser zu setzen. Wasser macht sich auf der Modellbahn ohnehin weniger gut, denn es verträgt sich schlecht mit Strom. Märklin-Profis finden aber stets Lösungen – und wenn der Tropfstein aus Gips entsteht.

DU BRAUCHST ...

… vor allem Materialien aus deiner Bastelkiste. Gips ist ebenso vorhanden wie Abtönfarbe in verschiedenen Farbtönen. Styropor- und Holzreste findest du zur Genüge. Bastelmesser, Säge und Pinsel sind die wichtigsten Werkzeuge zum Bau einer Tropfsteinhöhle. Für die Beleuchtung brauchst du Leuchtdioden oder Glühlämpchen, die du bei deinem Märklin-Fachhändler oder im Elektronik-Fachhandel bekommst. Lass dich dabei gut beraten, damit du die richtigen Bauteile verwenden kannst.

 

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Modellbau: Modellbahn AG des Thomas-Mann-Gymnasiums Stutensee unter Leitung von Matthias Wagner - Text: Torsten Berndt