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Anlagenbau Steinbogenbrücke

GEBAUT FÜR FUSSGÄNGER

Auf deiner Märklin-Anlage hast du bestimmt schon mindestens eine Brücke gebaut. Schließlich müssen die Züge und andere Fahrzeuge Flüsse, Bäche, Straßen und Wege  überqueren. Über hunderte von Jahren hinweg dienten Brücken aber nur selten Fahrzeugen.

Schon im Altertum gelang es den Menschen, kleine und größere Gewässer ohne Boot und dennoch trockenen Fußes zu überwinden. Wer gut balancieren konnte, der konnte auf einem Baumstamm von Ufer zu Ufer zu gelangen. Klüger war es, mehrere Baumstämme nebeneinander zu legen. Der neue Weg war zwar etwas wacklig, der Mensch in früheren Jahren aber auch etwas weniger bequem als heute. Brücken dieser Art findet man bis heute in den weniger entwickelten Ländern.

Aus der Bronzezeit stammt die erste Brücke, von der wir genaueres wissen. Sie steht in der deutschsprachigen Schweiz. Bei Rapperswil führte sie über den oberen Zürichsee nach Hurden. Archäologen stellten fest, dass die Menschen bereits um 1565 vor Beginn der christlichen  Zeitrechnung Pfähle mit klarer Linienführung in den Seegrund gerammt hatten. Das konnte nur zu einem einzigen Zweck geschehen sein: Auf den Pfählen befestigte man Holzbohlen und konnte fortan über das Wasser gehen. Sogar größere Mengen an bearbeiteten Steinen entdeckten die Forscher im und am See. Brücken aus Stein sind aber erst seit der Zeit der alten Römer überliefert.

Die Brücke am Zürichsee ist also älter als die alten Griechen, die etwa 800 Jahre später mit dem Aufbau ihres Weltreiches begannen. Da sie bereits fleißig Handel trieben, mussten die Händler lange Wege zurücklegen, um Waren einzukaufen und zu verkaufen. Da dürfte es durchaus Brücken über Bäche und Flüsse gegeben haben. Auch Persien war eine Weltmacht. König Dareios I., der von 549 bis 486 regierte, ließ ein großes Netz an befestigten Wegen erbauen. Da wäre es schon erstaunlich, wäre nirgendwo eine Brücke entstanden. Zweifellos wird es aber noch viel früher Brücken gegeben haben. Die Ägypter erlebten die Blütezeit ihres Reichs vor 3000 bis knapp 5000 Jahren. Für damalige Verhältnisse waren sie unermesslich reich. Wesentlich trug dazu der Handel bei – Händler brauchen befestigte Wege.

Die Brücke im Detail.

ZU FUSS NACH JERUSALEM

Alle diese frühen Brücken dienten in erster Linie dem Fußgängerverkehr. Zwar gab es seinerzeit schon Reiter, außerdem Fuhrwerke und Kutschen. Im Normalfall liefen die Menschen aber. Das war auch ein paar tausend Jahre später noch so. Als während der Kreuzzüge Ritter und Söldner – aus dem alten Wort leitet sich "Soldat" ab – aus ganz Deutschland nach Jerusalem zogen, taten sie das zu Fuß. Gewöhnlich legten Ritter und Söldner aber kürzere Distanzen zurück. Weit reisten vor allem die Händler. In ganz Europa entdeckten Forscher bereits Waren, die tausende Kilometer entfernt hergestellt worden waren. Ohne befestigte Wege und ohne Brücken wäre dies kaum möglich gewesen.

Da Fußgänger und Reiter wenig Platz brauchen, waren die frühen Brücken meistens recht schmal. Zwei Kutschen konnten sich auf ihnen nicht begegnen; eine musste daher warten, bis die andere die Brücke passiert hat. Als dann mehr und mehr Fahrzeuge unterwegs waren, brauchte man neue, breitere Brücken. Die alten wurden abgerissen. Trotzdem entdeckst du immer wieder Brücken, die überdauert haben. Meistens sind sie aus Stein, der bekanntlich etwas haltbarer ist als Holz. Die Wege werden heute überwiegend von Fußgängern und Radfahrern benutzt, nur selten von Autos.

AUSSEN GIPS, INNEN STYROPOR

Die Mitglieder der Modellbahn-AG der Schule Schrozberg stellten eine steinerne Brücke auf ihre Anlage. Da Stein etwas hart und daher schwer zu modellieren ist, entstand die Brücke aus Styropor und Gips. Zuerst wurde ein Styroporklotz in Form gebracht, in Brückenform, natürlich. Er bildet nämlich den Mittelteil der Brücke, den Bereich, auf dem das Sperrholzbrett mit der Fahrbahn liegt. Dank dieses Tricks bringt die Brücke nicht allzu viel Gewicht auf die Waage. Dann trugen die fleißigen Modellbahner jeweils eine Schicht Gips für das Gewölbe und die beiden Seitenmauern auf. Schließlich hieß es zu warten, bis der Gips richtig ausgehärtet war.

Die Steine sind natürlich nur vorgetäuscht. Mit einem Stichel kannst du vorsichtig die Fugen zwischen den Steinen in den Gips ritzen. Geh dabei mit reichlich Geduld vor. Wenn mal etwas misslingt, ist das kein Problem. Trage einfach etwas frischen Gips drauf, lass ihn trocknen und wage dann den nächsten Versuch. Sind die Fugen fertig, braucht deine Brücke noch etwas Farbe. Damit sich der trockene Gips nicht mit Farbe vollsaugt, trage erst einmal reichlich Wasser auf. Die Fugen und die Mauersteine malst du gemeinsam auf.  Dafür nimmst du Schwarz, das du stark mit Wasser verdünnt hast. Sowie du deine Brücke ordentlich geschwärzt hast, wischst du die Farbe gleich wieder ab. Sie bleibt vor allem in den Fugen stehen, die man jetzt gut sehen kann. Die Mauersteine dagegen erscheinen in einem hellen Grau. So wirkt das Mauerwerk sehr plastisch.

Schon ist deine Brücke fertig. Die Fahrbahn kannst du entweder mit Pflasterfolie bekleben oder grau streichen, wenn du eine Asphaltstraße nachbilden möchtest. Deiner Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Wie die Märklin-Profis der Modellbahn-AG der Schule Schrozberg zeigen, kann auf der Anlage sogar eine Art Soda-Brücke stehen. Soda-Brücken heißen so, weil sie einfach so da stehen. Die Blaufelder Brücke führt über einen früheren Bach. Er ist inzwischen versiegt, doch die Brücke steht noch so da. Als der Verkehr dichter wurde, baute man eine weitere Fahrbahn für den Gegenverkehr – ohne Brücke natürlich. Das Motiv fanden die Modellbahner in Rothenburg ob der Tauber. Für den Schienenverkehr ist die Brücke zu schmal. Die meisten heutigen Autos und kleine Lastwagen passen aber noch drüber – Fußgänger und Reiter allemal.

Auf diesem Bild siehst du deutlich, dass die Brücke für zwei Fahrbahnen zu schmal ist.

DU BRAUCHST ...

... Gips, einen Styroporblock, einen Stichel, Farbe und Pinsel. Wahrscheinlich besitzt du alles Material längst. Gips, Farbe und die Werkzeuge kaufst du günstig im Heimwerkermarkt. Styroporblöcke bekommst du kostenlos. Sie sind Teil von Verpackungen, die normalerweise weggeschmissen werden.

 

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Modellbau: Modellbahn-AG der Schule Schrozberg unter Leitung von Marliese und Siegfried Gehringer - Text: Torsten Berndt - Fotos: Michael  Robert Gauß und Marliese Gehringer - Bildbearbeitung: Michael Robert Gauß