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Anlagenbau Seifenkistenrennen

VON DER SOAP BOX ZUR SEIFENKISTE

Ein Seifenkistenrennen auf der Märklin-Anlage – das ist natürlich ein besonderer Blickfang. Schauen wir also dem Mitgliedern der Modellbahn-Arbeitsgemeinschaft des Thomas-Mann-Gymnasiums Stutensee beim Bau über die Schultern.
Etwas Mut bedarf es schon, sich in einer Seifenkiste zu Tal zu stürzen. Die einfach gebauten Fahrzeuge können hohe Geschwindigkeiten erreichen. Offiziell liegt die Grenze bei 60 Kilometern pro Stunde. Das ist höher als die Geschwindigkeit, mit der Autos, Lastwagen, Busse und Motorräder in der Stadt fahren dürfen. Glücklicherweise aber finden die Rennen auf nur kurzen Strecken statt. 250 bis 500 Meter sind die Regel. Auch soll die Strecke trocken sein. Bei Nässe müssen Rennen abgebrochen werden.
Die Fahrzeuge bestanden früher fast immer aus Holz. Heute kommen moderne Kunststoffe hinzu, zum Beispiel glasfaserverstärkte Kohlenwasserstoffe, kurz GFK. Diese Materialien verwendet man auch in der Formel Eins, weil sie fest und zugleich sehr leicht sind. Vor dem Rennen wird geprüft, ob die Bremsen und die Lenkung funktionieren. Für die Fahrer ist der Schutzhelm vorgeschrieben. Trotzdem ist das Ganze nicht gerade ungefährlich.
Die ersten Rennen fanden bereits 1904 in Oberursel bei Frankfurt am Main statt. Dokumentiert sind für die Jahre bis 1907 mehrere Veranstaltungen. Doch dürften Kinder und Jugendliche bereits vorher ähnliche Fahrzeuge gebastelt haben, wahrscheinlich mit Unterstützung der Väter – anfangs nahmen nur Jungen an Seifenkistenrennen teil. Das Wort „Seifenkiste“ ist übrigens aus dem Englischen abgeleitet. 1933 prägte Myron E. Scott den Begriff „Soap Box“. Scott lebte in den Vereinigten Staaten und arbeitete als Journalist und Fotograf für Tageszeitungen.
In den Vereinigten Staaten wurden die Seifenkistenrennen dann zu Sportereignissen. Beim ersten großen Rennen, das am 19. März 1933 in Dayton stattfand, durften auch einige Mädchen mitfahren. Bereits 1935 gab es in Akron US-amerikanische Meisterschaften, die zugleich als Weltmeisterschaften galten. Wichtigster Geldgeber war der Autohersteller General Motors.

Zu ihm gehörte bis 2017 der deutsche Hersteller Opel. Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte vor allem Opel in Deutschland die Seifenkistenrennen. Es fanden deutsche Meisterschaften statt, deren Sieger zu den Weltmeisterschaften in Akron reisen durfte. Als Opel 1972 die Seifenkistenrennen nicht mehr bezahlte, endete ihre Blütezeit. Heute findet alljährlich in Klüsserath ein großes Turnier statt. Klüsserath liegt an der Mosel. Die Seifenkisten starten jeweils am dritten Wochenende im Mai. Manchmal sieht man auch Seifenkistenrennen bei Sportfesten, Stadtfesten und anderen Veranstaltungen.
 

LATTENGERÜST STATT GRUNDPLATTE

Nunmehr rollen die urigen Fahrzeuge auch über die Märklin-Anlage. Der Zubehör-Hersteller Busch hat attraktive Modelle in sein Angebot aufgenommen. Viel Platz auf der Anlage braucht das Seifenkistenrennen nicht. Die Strecken sind ja, wie du schon lesen konntest, nur 250 bis 500 Meter lang.
In Stutensee gestaltete Niklas die Strecke und die Landschaft in der Umgebung. Dafür nutzte er zwei große Klötze aus Styrodur. Beide passten gut auf ein Lattengerüst, das die Grundplatte ersetzt. Damit wird das Modul leichter. Während der Holzleim, mit dem Niklas die Latten befestigte, trocknete, bearbeitete er das Styrodur mit dem scharfen Bastelmesser. Dabei ging er selbstverständlich äußerst vorsichtig zu Werke. Achte auch du beim Bahnbau stets auf deine Finger! Arbeite langsam und umsichtig! Dann passiert auch nichts.
Nachdem er die Rennstrecke aus dem Styrodur geschnitten hatte, befestigte Niklas beide Klötze mit Fliesenkleber auf die Anlage. Für das Seifenkistenrennen eignet sich am besten ein asphaltierter Weg. Daher strich ihn Niklas mit grauer Farbe. Mit dem Grasmaster und Grasfasern schuf Niklas grüne Wiesen. Danach stellte er noch einige Bäume auf.

WICHTIGES PODEST

Den Zielbereich gestaltete er höchst abwechslungsreich. Zunächst legte er Strohballen aus. Bremst ein Rennfahrer zu spät, kracht er mit seiner Seifenkiste ins Stroh. Da dürfte nicht viel passieren. Sicherheitshalber sind aber auch die Sanitäter der Feuerwehr vor Ort. Unter Baldachinen parken einige Seifenkisten zwischen den Rennen. Einige bleiben aber auch einfach auf der Straße stehen. Am wichtigsten ist aber natürlich das Podest für die Siegerehrung. Dafür tritt schließlich jeder Teilnehmer an, mindestens einmal dort stehen zu können. Schließlich platzierte Niklas im Startbereich noch eine kleine Rampe. Die Seifenkisten haben ja keinen eigenen Antrieb und müssen in Schwung kommen. Nunmehr ist die Szenerie fertig, kann das Rennen beginnen. Die mutigen Fahrer stürzen sich talwärts.
 

DU BRAUCHST...

Styrodur für die Landschaftsgestaltung. Das findest du in Verpackungsabfällen. Es kostet dich keinen Cent. Die eine oder andere Holzlatte steckt vielleicht noch in deiner Bastelkiste. Ansonsten besorgst du im Heimwerkermarkt Nachschub. Die Holzlatten kosten nicht viel. Grasfasern bekommst du bei deinem Märklin-Fachhändler, der eine große Auswahl anbietet. Dort kannst du auch die Seifenkisten aus dem Angebot von Busch, die Beleuchtung von Viessmann, die Figuren von Noch und Preiser und weiteres Zubehör von Noch und Auhagen kaufen. Das nötige Werkzeug besitzt du bereits, also das Bastelmesser, Schraubzwingen für die Befestigung der Latten, während sie trocknen, und eine Säge zum Ablängen.
 

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Modellbau und Fotografie: Niklas und Marius aus der Modellbahn-AG des Thomas-Mann-Gymnasiums Stutensee unter Leitung von Matthias Wagner