DE
EN

Anlagenbau Limes

EINE GEWALTIGE GRENZE

Eine gewaltige Grenze verlief einst quer durch Deutschland. Die Römer hatten sie vor rund 2000 Jahren errichtet. Heute gehört diese Grenze zum Welterbe der UNESCO.

Die Römer herrschten zeitweise über fast ganz Europa. Teile von Großbritannien hatten sie ebenso erobert wie das heutige Frankreich und den Süden Deutschlands. Im Osten reichte ihre Macht über Europa hinaus: Auch die asiatischen Teile der heutigen Türkei waren römisch. Dem historischen Land Israel gaben sie sogar einen Namen, der bis heute nachwirkt: Palästina. Selbst über das Mittelmeer schickten die Römer ihre Armeen und hielten eine Zeitlang ganz Nordafrika besetzt.

Es erstaunt deswegen nicht, dass vieles in unserem heutigen Alltag römischen Ursprungs ist. In der Sprache kennen wir zum Beispiel das „Fenster“, in der Sprache der Römer, also auf  Latein „fenestra“. Wichtige Gesetze leiten sich vom Römischen Recht ab, zum Beispiel die Regelungen zum Eigentum. Mit dem „Cursus publicus“ schufen die Römer einen Vorfahren der heutigen Post. Dass man in Straßen Spurrillen einlassen kann, die Vorgänger der Schienen, wussten bereits die Römer.

Alles andere als leicht fiel es ihnen aber, das große Reich unter Kontrolle zu halten. Daher schufen sie große Befestigungen an den Grenzen. Zwei davon stechen heraus. Der Hadrianswall verlief quer durch Großbritannien. Benannt ist er nach Kaiser Hadrian, der von 117 bis 136 regierte. Mit 117,5 Kilometern Länge fällt der Hadrianswall aber recht bescheiden aus, vergleicht man ihn mit dem 550 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limes.

„Limes“ heißt einfach „Grenze“ auf Latein. Die Befestigung begann am Rhein einige Kilometer südlich von Bonn beim heutigen Rheinbrohl. Sie verlief südöstlich bis in Höhe Wiesbadens, um dann nach Norden bis etwa Butzbach zu schwenken. Danach ging es südwärts bis in Höhe von Lorch, um dann ostwärts kurz vor Regensburg bei Eining zu enden. Am besten schaust du dir den Limes einmal auf dem Computer an: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/06/Limes2.png.

Die beiden anderen Worte bezeichnen die römischen Provinzen. Süddeutschland hieß im alten Rom „Raetia“ – heute erinnert zum Beispiel die Staatsbahn des Schweizer Kantons Graubünden daran, die Rhätische Bahn. Südwestdeutschland hieß bei den Römern „Germania superior“, übersetzt „Obergermanien“.

Überwiegend verlief der Limes in Form einer Mauer. In etwa 800 Metern Abstand errichteten die Römer Wachtürme. Zunächst bestanden die Mauer und die Türme aus Holz. Dieses hielt aber nicht lange. Fortan entstanden auch Mauern und Türme aus Stein. Ein Teil der Mauern und der Türme blieb bis heute erhalten. An anderen Stellen bauten Historiker den Limes nach. Sie „rekonstruierten“ ihn, wie es heißt. Seit 2005 gehört er zum Welterbe der Menschheit. Er steht in der gleichnamigen Liste der UNESCO, der für Kultur und Bildung zuständigen Organisation der Vereinten Nationen, der UNO.

BESUCH IM MUSEUM

Eigentlich logisch, dass ein Welterbe auf die Märklin-Anlage gehört. Bevor die Mitglieder des Modellbahn-Teams Blaufelden aber das Werkzeug in die Hände nahmen, machten sie einen Ausflug nach Aalen. Mit dem Zug dauert die Fahrt etwa eine Stunde, ist also keine große Sache. In Aalen besuchten sie das Limesmuseum. Da in der sechsten Klasse ohnehin die Römer auf dem Stundenplan stehen, konnten die Märklin-Profis ihr liebstes Hobby mit dem Ernst des Lebens verbinden.

Der Nachbau ging ihnen dann leicht von der Hand. Alle wichtigen Techniken kennen die Blaufelder ja längst. Für die Wände der Türme aus Stein verwendeten sie Gips. Diesen strichen sie dick auf einen Styroporklotz. Mit einem scharfen Bastelmesser ritzten sie die Fugen der Steine in den Gips. Mit stark verdünnter schwarzer Farbe hoben sie  die Fugen hervor. Nach dem Trocknen strichen sie die Wände mit grauer Farbe. Schließlich höhlten sie den Styroporklotz noch aus, damit man durch die Fenster des Turmes durchschauen kann.

Die römischen Soldaten hielten sich gewöhnlich auf Balkons auf. Diese bestanden aus Holz und ruhten auf dem Mauerwerk. Der Unterstand für die Soldaten – in Deutschland regnete es schon damals häufiger als in Rom – entstand ebenfalls aus Holz. Für den Unterstand bastelten die Märklin-Profis ein Häuschen aus Pappe und beklebten die Wände außen mit längs halbierten Ästen. Ein Ziegeldach schützte die Römer vor der Witterung. Der Balkon entstand auf einem Holzbrett. Aufgeklebte Holzleisten bildeten ein stabiles Geländer.

KULTIVIERTE GERMANEN

Rund um die Türme entstand die Befestigung aus Rundholz. An der oberen Seite ist es angespitzt. Schließlich sollte die Mauer die Römer schützen, sollten die Germanen nicht einfach darüber klettern können. Als „Palisaden“ bezeichnet man solche Befestigungen. Gewöhnlich schütteten die Römer außerdem Wälle aus Erde auf und hoben flache Gräben aus. Mit etwas Begrünung und dem einen oder anderen Baum oder Busch ist das Schaustück dann fertig.

Die Germanen waren übrigens keineswegs so wild, wie sie manchmal dargestellt werden. Auch sie kannten organisierte Gemeinschaften, entwickelten Sprachen und Schriften und bildeten eigenständige Kulturen aus. Früher wurden verschiedene Volksstämme unter dem Begriff „Germanen“ zusammengefasst. Heute trennt man genauer, denn man hat erkannt, dass sich die vielen Völker in Europa schon immer vermischt haben. So war auch mancher Römer gar kein echter, sondern erhielt nur das Römische Bürgerrecht. Nachdem die Römer zum Beispiel das Reich der Sabiner erobert hatten, erklärten sie die Sabiner einfach zu Römern. So einfach ging das. Die Römer waren unterdessen keineswegs friedfertiger als andere Völker. Ansonsten hätten sie wohl kaum halb Europa sowie Teile Asiens und Afrikas erobert.

Torsten Berndt

 

DU BRAUCHST...

… vor allem Material aus der Bastelkiste. Gips, Holz, Karton, Styropor hast du bereits, musst nur eventuell die Vorräte mit einem Besuch im Baumarkt auffüllen. Reste von Furnier bekommst du vielleicht beim Tischler sogar umsonst.

>>> HIER GEHT'S ZUR ANLEITUNG <<<

Modellbau: Modellbahn Team Blaufelden unter Leitung von Marliese und Siegfried Gehringer
Fotos: Marliese und Siegfried Gehringer