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Anlagenbau Felsenlandschaft

Meistens spielen Märklin-Anlagen im Mittelgebirge. Dort wachsen nicht nur Berge aus dem Boden. Auch so mancher stattliche Fels erhebt sich.

Felsen gibt es praktisch überall, wo Berge das Bild der Landschaft bestimmen. Hügeliges Gelände ist gewöhnlich durchgehend bewachsen, mal mit Wiesen, mal mit Sträuchern oder Wald. Wie gut die Pflanzen gedeihen können, hängt vom Boden ab. Je tiefer sie Wurzeln schlagen können, desto größer sind in der Regel die Pflanzen. Nur wenn das Gelände zu steil ansteigt, findet der Erdboden keinen Halt. Nacktes Gestein kommt zum Vorschein.

In den etwas höheren Lagen entdeckst du dann viele solcher Stellen. Nicht erst die Dreitausender der Alpen ragen fast senkrecht in die Höhe. Schon im Mittelgebirge und im Alpenvorland gibt es manche schroffe Wand. Keine gleicht der anderen. Über Jahrtausende hinweg haben die Kräfte der Natur die Landschaft geformt. Der Wind trug ebenso Gestein ab wie der Regen. In den Eiszeiten schliffen Gletscher selbst härtesten Granit ab, und an vielen Einschnitten im Gelände können die Wissenschaftler noch heute erkennen, dass dort einstmals ein Fluss ins Tal strömte, auch wenn das weiche Wasser natürlich nicht überall den Stein brach.

Die Menschen nutzten dieses Angebot der Natur schon in der Antike. Wo immer sie Einschnitte sahen, suchten sie nach Wegen, um Berge möglichst bequem überqueren zu können. Oftmals scheiterten sie zwar, wenn hinter einer Kurve dann doch eine Felswand stand. Doch zogen die Menschen schon früh über die Pässe in den Bergen. Die Römer nutzten beispielsweise den Brenner-Pass und den Reschenpass über die Alpen. Den Gotthard-Pass kannten sie, ohne ihm aber allzu große Beachtung zu schenken. Die bedeutendste Handelsstraße des Altertums und Mittelalters, die Seidenstraße zwischen China und dem Mittelmeer führte über Pässe mit bis zu 5000 Höhenmetern. So hoch ist kein Berg der Alpen.

Wahrscheinlich kannte sogar der moderne Mensch schon die Pässe. Vor 100.000 Jahren kam der Homo sapiens – so heißt er Mensch auf Latein – aus dem Süden und Osten Afrikas in den Nahen Osten. Von dort zog er weiter nach Europa und Asien. Asien bildete den Ausgangspunkt für die Besiedlung Amerikas und Australiens. In Europa und Vorderasien verdrängte er den Neandertaler, den Homo neanderthalensis, in Zentralasien und Nord- und Westafrika den Homo erectus, für den es keine deutsche Bezeichnung gibt. Ganz gleich, welche Hautfarbe die heutigen Menschen haben: Historisch sind wir alle Afrikaner. Die schnelle Verbreitung des modernen Menschen kann man durchaus damit erklären, dass die Menschen die Bergpässe schnell zu überwinden gelernt hatten.

 

FELS WIRKT AM BESTEN

Einen Pass auf der Märklin-Anlage nachzubauen, ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Jeder Modellbahner baut nämlich nur Hügel. Es wirkt zwar gewaltig, wenn ein Berg im Maßstab 1 : 87 einen Meter hoch aufragt. In der Natur würde er aber lediglich 87 Meter messen und bekäme wahrscheinlich nicht einmal einen Namen. Auf deiner Märklin-Anlage kommt es also darauf an, dass die Erhebung wie ein Berg ausschaut, mehr nicht.

Am besten wirkt er natürlich, wenn nackter Fels zu sehen ist. Die Szenerie, die du in diesem Heft deines Club-Magazins siehst, wird dir vielleicht bekannt vorkommen. Richtig, in der Nummer 4/2015 stellten die Mitglieder des Modellbahn Teams Blaufelden den Bau einer steinernen Brücke vor. Zur Brücke führt eine Straße, die unterhalb schöner Felsen verläuft.

Sie herzustellen, ist kinderleicht. Modellfels entsteht aus Gips. Mit etwas Augenzwinkern können wir daher behaupten, dass unser Modellfels mit den Kalkalpen verwandt ist; sowohl Gips als aus Kalk entstehen aus Verbindungen des chemischen Elements Calcium.

GRAU BIS BRAUN

Machen wir uns also ans Werk und gießen den sorgfältig angerührten Gips in eine Silikon-Form. Diese zeigt die Konturen des Felses. Ist der Gips eingegossen, ist Geduld gefragt. Der Gips sollte etwa zwei Stunden trocknen, damit er ordentlich aushärtet. Erst dann befreist du ihn von der Form. Danach solltest du ihn noch einige Tage trocknen lassen, dass er wirklich absolut fest wird. Während der Zeit kannst du zum Beispiel das Gelände deines Modellberges mit Styropor-Klötzen formen. Diese klebst du auf die Anlage. Mit dem Bastelmesser schneidest du vorsichtig die Form zurecht. Pass dabei gut auf! Das Messer ist fürchterlich scharf!

Den getrockneten Fels klebst du mit Gips in die Styropor-Landschaft. Achte dabei darauf, dass er ganz oder fast senkrecht steht. Nur dann rutscht Erdreich sicher ab. Bleibt es liegen, wächst bald Gras über die Sache, pardon, den Fels natürlich. Bald wäre er nicht mehr zu sehen und die ganze Bastelarbeit umsonst.

Klebt der Fels sicher im Gelände, erhält er seine Farbe. In der Natur reicht sie von Grau- bis Brauntönen. Schau dir die Fotos in Eisenbahnbüchern einmal an. Eisenbahnfotografen knipsen gern im Gebirge, sodass viele Felsen in den Büchern zu sehen sind. Zuerst wird der Fels mit Wasser wieder angestrichen, damit er feucht wird und nicht so viel Farbe aufnimmt. Schließlich verdünnst du Schwarz sehr stark mit Wasser und malst damit alles gründlich an. Mit einem Schwamm oder feuchten Lappen wischst du die Farbe sofort wieder ab. In den Vertiefungen bleibt etwas Schwarz auf dem Fels. Damit hebst du die Konturen hervor und der Fels bekommt gleichzeitig eine graue Grundfarbe.

Schließlich kommt helle Farbe zum Einsatz. Mit ihr erkennt man die Nasen besser, also kleine Vorsprünge im Fels, sodass der Fels sehr natürlich wirkt. Dafür genügt ein Hauch Farbe. Daher streifst du den Pinsel auf Zeitungspapier ab, bis er fast trocken ist. Erst dann fährst du mit dem Pinsel über den Fels. Dabei beginnst du mit den dunkleren Farben, zum Beispiel Braun, und arbeitest dich über Ocker hin zu Weiß. Du kannst auch gut Spuren von Grün verwenden, dann wirken die Felsen von Moos bewachsen. Das war es schon – fertig ist dein Fels.

DU BRAUCHST ...

… im Grunde genommen nur die Form für deinen Fels. Schau dich bei deinem Märklin-Fachhändler einmal um. Er hat verschiedene Formen im Angebot. Die Mitglieder des Modellbahn Teams Blaufelden verwendeten eine Form von Noch. Gips, Wasserfarbe und Pinsel stecken längst in deiner Bastelkiste. Für die Styropor-Landschaft verwendest du am besten Verpackungsmaterial. Das bekommst du kostenlos – heutzutage ist fast jeder erdenklichen Menge.

 

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Modellbau: René und Maxi vom Modellbahnteam Blaufelden unter Leitung von Marliese und Siegfried Gehringer - Text: Torsten Berndt - Fotos: Michael Robert Gauß