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Anlagenbau Brückenpfeiler

Zehntausende Bahnbrücken stehen überall in Europa. Hinzu kommen Straßenbrücken, um die Bahnstrecken überqueren zu können. Manche sind eher langweilig in Beton gegossen. Ein kunstvoll aus Stein gemauerter Brückenpfeiler steht im Mittelpunkt des Bahnbau-Artikels für dieses Club-Magazin.

Am liebsten fahren Züge in der Ebene. Beim Rad-Schiene- System reibt das Stahlrad bekanntlich auf der Stahlschiene. Deswegen haftet es deutlich geringer als beispielsweise der Gummireifen deines Fahrrades auf dem Asphalt der Straße. Die geringe Adhäsion – das ist das Fachwort für die Haftung – hat einen großen Vorteil: Ein Zug verbraucht deutlich weniger Strom oder Diesel als ein Straßenfahrzeug, das mit gleichem Gewicht und gleichem Ladegewicht unterwegs ist. Dank der geringen Haftung kann eine gerade einmal 80 Tonnen schwere Lokomotive einen Zug von 1000 Tonnen schleppen, ohne aus der Puste zu kommen. Nur das Anfahren, die Lokführer sagen „Losbrechen“, erfordert Feingefühl. Im schweren Güterzug fährt Wagen für Wagen einzeln langsam an, bis dann die ganze Fuhre rollt.

Nachteilig ist die geringe Haftung, wenn der Zug über Berg und Tal fahren muss. Neigungen – das Wort fasst Steigungen und Gefälle zusammen – mag die Bahn überhaupt nicht, schon gar keine starken. Schon mit dem Auge kaum sichtbare Neigungen bringen die Lokomotiven ins Schwitzen. Die frühen Gebirgsstrecken im Alpenraum erreichen beispielsweise Neigungen von 25 Promille. Das bedeutet, dass die Strecke auf 1000 Metern Länge um 25 Meter an Höhe gewinnt oder verliert. Ein solches Maß bewältigst du locker mit dem Fahrrad. Selbst für moderne, elektrische Hochleistungslokomotiven bedeuten 25 Promille Schwerstarbeit.

Deswegen achteten die Erbauer der Bahnstrecken von Beginn an darauf, die Strecken möglichst ebenerdig zu planen. Das gelingt natürlich nicht immer, denn die Züge müssen Berge überwinden und Täler kreuzen. Also schuf die Bahn Kunstbauten, in der Anfangszeit fast nur Brücken, später auch Tunnel. Den Brückenbau kannte man schon im Altertum. Schließlich wollten die Menschen schon damals Flüsse und Bäche trockenen Fußes überwinden. Also machten sich die Baumeister ans Werk. Manche antike Brücke überdauerte bis heute. Im Laufe der Jahrhunderte entstand zwar auch die eine oder andere Brücke über eine tiefe Schlucht. Die meisten Brücken dienten aber weiterhin der Querung von Gewässern. Dies änderte sich erst mit der Erfindung der Eisenbahn. Fortan entstanden überall im Land Brücken unterschiedlicher Höhe und Länge. Manche stiegen zu Sehenswürdigkeiten auf, zum Beispiel der Bietigheimer Viadukt.
 

PFEILER AUS STYRODUR

In der Anfangszeit baute man fast alle Brücken aus Stein. Später entwickelten die Ingenieure dann kunstvolle Bauwerke aus Eisen und Stahl. Der Beton kam schon zur Wende zum 20. Jahrhundert hinzu. Auf der Mittenwaldbahn von Mittenwald nach Innsbruck, die 1912 eröffnet wurde, sind fast alle Brücken aus Beton gebaut. Dieser Werkstoff ist somit länger im Einsatz, als es manch einer glaubt.

Am Thomas-Mann-Gymnasium in Stutensee entstanden klassische Brücken aus Stein, genauer Brückenpfeiler. Den Bau erklärt Julia am Beispiel eines Pfeilers. Den hat sie natürlich nicht Stein für Stein wachsen lassen. Stattdessen verwendete sie Styrodur. Dieses ist ein wenig leichter als Stein, besser zu bearbeiten und trägt eine über die Bahngleise führende Brücke sicher und zuverlässig. Nur für eine Brücke, über die deine Strecke führt, solltest du Gipspfeiler herstellen. Zu Steinpfeilern werden sie auf dieselbe Art und Weise, wie sie Julia mit Styrodur zeigt.

Mit einem scharfen Bastelmesser und einem Schraubendreher ritzte sie die Strukturen der Steine in das Material. Für Styrodur muss das Bastelmesser nicht ganz so scharf sein wie für Gips. Darin liegt der Unterschied. Danach erhält der Pfeiler einen grauen Anstrich. Du kannst frei wählen, welchen Grau- oder Graubraunton du nehmen möchtest. In der Natur gibt es jede Menge Steine in unterschiedlichen Farben. Schließlich trug Julia stark verdünnte schwarze Farbe auf, die sie nach kurzem Antrocknen abwischte. Somit blieb Schwarz in den Fugen und anderen Konturen stehen. Die Farbe musste noch trocknen, dann war der Pfeiler fertig.

PFEILER IN LANDSCHAFT

Niklas baute ihn dann in ein Modul ein. Über eine Senke, in der parallel eine Bahnstrecke und eine Straße verläuft, führte einstmals eine Brücke. Der Pfeiler in der Mitte steht noch. Auch das Lager auf der einen Seite ist noch erkennbar. Auf der anderen Seite kann man höchstens noch ahnen, wo die Brücke einstmals begann. Das gibt es natürlich auch, Brücken, die irgendwann nicht mehr benötigt wurden. Oftmals trug man sie ab, weil sie dringend saniert werden mussten. Dann stellte sich die Frage, ob sich die Reparatur noch lohnt. Stellte man fest, dass die Brücke eigentlich nicht mehr gebraucht wurde, verzichtete man auf die Arbeiten. Dann blieb ein Pfeiler in der Landschaft stehen.
 

DU BRAUCHST...

… ein wenig Styrodur, ein scharfes Bastelmesser, einen Schraubendreher, graue und schwarze Farbe. Ein Geodreieck hilft beim Messen. Das Styrodur bekommst du aus Verpackungsabfällen. Baust du den Pfeiler aus Gips, brauchst du außerdem eine Gießform. Die kannst du bei deinem Märklin- Fachhändler kaufen. Dann sind die Steine bereits vorgeprägt und du musst sie nur noch mit dem Bastelmesser stärker herausarbeiten.
 

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