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Anlagenbau Bahnhof

Gibt es Märklin-Anlagen ohne Bahnhof? Nun, denkbar sind sie natürlich. Normalerweise hat aber jede Anlage mindestens einen Bahnhof. Also bauen wir einfach einen.

Leipzig, Frankfurt am Main, Hamburg-Altona, München – fällt das Wort Bahnhof, denken die meisten gleich an die Riesenstationen in Großstädten. Andere Metropolen haben keine Kopfbahnhöfe, sondern Durchgangsbahnhöfe, beispielsweise Dortmund und Essen. In Berlin gibt es sogar einen gewaltigen Turmbahnhof. Den meisten Reisenden sind solche Unterscheidungen aber ziemlich egal. Sie wollen bequem und zügig ein-, aus- und umsteigen, mehr nicht.

Die meisten Modelleisenbahner bauen Durchgangsstationen. An einer ein- oder zweigleisigen Strecke verzweigen sich die Gleise, sodass sich die Züge im Bahnhof beispielsweise begegnen können. Früher verfügten praktisch alle Bahnhöfe über Gleise für den Güterverkehr. An Laderampen erfolgte die Be- und Entladung von Güterwagen. Vielfach stand neben dem Empfangsgebäude ein großer Güterschuppen. Für die Eisenbahner gehörte das Rangieren zu den anstrengenden Arbeiten. Märklin-Freunden bereitet nichts mehr Spaß, als die Züge zu trennen und neu zusammenzustellen.

Märklin-Eisenbahner schauen auf den Spielspaß, wenn sie die Wahl treffen. Den größten bietet der Kopfbahnhof. In dichtem Rhythmus fahren die Züge ein und aus. Jeder einzelne muss kehren, „Kopf machen“, wie die Eisenbahner sagen. Da Züge gewöhnlich nicht auf demselben Gleis wieder zurückfahren, bekommen die Stellwerker einiges zu tun. Auf deiner Märklin-Anlage bist du der Stellwerker, zugleich natürlich der Lokführer und vieles mehr. Ein Kopfbahnhof kann zum Beispiel am Ende einer Nebenbahn liegen. Schöner ist es, wenn mindestens zwei Strecken zu ihm führen. Vor dem Bahnhof verbinden dann reichlich Weichen die Gleise in beide Richtungen miteinander. Glücklicherweise fahren die Züge rund um den Kopfbahnhof langsam. Daher genügen die normalen Weichen mit größerem Abzweigwinkel. Deine schlanken Weichen baust du auf der durchgehenden Strecke ein.

KLEINER UNTERSCHIED

Die Bahn trennt zwischen Bahnhöfen und Haltepunkten. An Bahnhöfen gibt es mindestens eine Weiche. Existiert keine, handelt es sich um nur einen Haltepunkt. Die Ausnahme machen Stationen, in denen Züge beginnen und enden. Dann brauchen sie keine Weiche zu haben. Solche Bahnhöfe gibt es mitunter am Ende von eingleisigen Nebenbahnen.

BAU MIT KREUZUNGEN

Rangier- und Fahrspaß stehen auch in Blaufelden im Mittelpunkt. Die Mitglieder des Modellbahn Teams Blaufelden bauen Dioramen. Jedes einzelne präsentiert eine kleine Szene aus dem Alltag rund um die Eisenbahn. Wenn die Gleise aller Dioramen miteinander verbunden werden, entstehen lange Strecken. Die Märklin-Lokomotiven können darauf zeigen, was in ihnen steckt.

Der Blaufelder Bahnhof liegt an einer zweigleisigen Strecke. Damit die Züge alle Gleise gleichermaßen nutzen können, entstanden kleine Weichenstraßen. Dabei baute die Bahn auch einen Hosenträger ein. Dieses Wort kommt natürlich aus der Umgangssprache; im amtlichen Bahn-Deutsch gibt es keine Hosenträger. Darunter verstehen Eisenbahner und Eisenbahnfreunde Weichenstraßen mit Kreuzungen in der Mitte. Ein Gleis verläuft vom rechten zum linken Streckengleis, ein zweites vom linken zum rechten. Das schaut aus wie Hosenträger im Rücken. Ein Hosenträger braucht wenig Platz. Darin liegt sein Vorteil. 

Dennoch baut die Bahn ihn ungern ein, denn Kreuzungen gehören nicht zu den Gleisfiguren, die Eisenbahner mögen. Beide Räder rattern über zwei Lücken im Gleis. Jeder Schlag, den auch die Reisenden spüren, bedeutet eine neue kleine Delle im Rad. Wenn es deswegen nicht mehr ganz rund läuft, wächst die Lautstärke der Geräusche, die jedes rollende Rad erzeugt. Außerdem besteht eine Kreuzung aus vielen einzelnen Gleisstücken. Lass dir von deinem Märklin-Fachhändler einmal eine Kreuzung zeigen. Du wirst sofort verstehen, weshalb die Eisenbahner Kreuzungen nur dann verlegen, wenn sie unbedingt nötig sind.

In der Szenerie mit Stellwerk siehst du den Hosenträger.

WARTENDE PREISERLEIN

Den Bahnsteig baust du am besten selbst. In Blaufelden besteht er aus dünnem Sperrholz. Für die Bahnsteigkante gießt du Gips in eine Silikonform. Der ausgehärtete Gips wird später aufgeklebt. Das ist zwar etwas aufwändig, ergibt aber sehr schöne Bahnsteigkanten. In das Sperrholz bohrst du kleine Löcher für die Stützen der Bahnsteigüberdachung. In ein Loch im Sperrholz geklebt, sitzen sie absolut fest. Die Stützen selbst zu bauen, ist nicht ganz so einfach. Daher nahmen die Blaufelder Märklin-Profis Material aus dem Angebot der Zubehör-Hersteller.

Auf dem Bahnsteig platzierst du natürlich Sitzbänke für die Fahrgäste. Wenn du magst, kannst du auch einen Warteraum aufstellen. Selbstverständlich macht auch ein Kiosk eine gute Figur auf dem Bahnsteig. Wichtig sind die Preiserlein, sprich: die wartenden Reisenden. Schau dich einmal auf dem Bahnhof in der Nähe deines Wohnortes um. Nur selten ist ein Bahnsteig menschenleer. Fast immer stehen oder sitzen dort Wartende.

Auf dem Platz vor dem Empfangsgebäude sollte eine Bushaltestelle stehen. Dann können die Bahnreisenden auch in Stadtteile oder Orte fahren, die keinen eigenen Bahnhof haben. Ansonsten lass einfach deiner Fantasie freien Lauf. Eine Eisdiele passt genauso auf den Platz wie ein Postamt – früher stand die Post oft neben dem Bahnhof, denn mancher Zug beförderte auch Briefe und Pakete. Ebenso gut kannst du eine Häuserzeile mit mehreren Geschäften aufstellen. Es müssen ja nicht gleich so viele sein, wie in den Bahnhöfen von Leipzig, Frankfurt am Main, Hamburg-Altona und München untergekommen sind.

DU BRAUCHST ...

... im Grunde genommen nur ein paar Bausätze. Dein Märklin-Fachhändler hat jede Menge Empfangsgebäude, Güterschuppen, Bahnsteigüberdachungen und anderes im Angebot. Auch findest du dort jede Menge Modell-Figuren, die Preiserlein. Schau dich einmal um. Styropor und Holz hast du bestimmt genügend in der Bastelkiste. Für die Herstellung von Styropor-Streifen eignet sich übrigens hervorragend Verpackungsmaterial. Ein Modellbahner wirft nichts unbesehen weg.

 

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Modellbau: Christian Grundhoff vom Modellbahnteam Blaufelden unter Leitung von Marliese und Siegfried Gehringer - Text: Torsten Berndt - Fotos: Michael Robert Gauß